Misshandlungen bei Aldi Süd

Im Warenlager einer Filiale von Aldi Süd in Mahrberg soll es zu erschreckenden Übergriffen auf Azubis des Betriebs gekommen sein, wie die ZEIT heute den Spiegel zitiert. Azubis sollen im Beisein der Vorgesetzten mit Frischhaltefolie an Pfosten gefesselt und dann mit Edding im Gesicht beschmiert worden sein. Die Folie sei beim Fesseln derart stark gespannt gewesen, „dass ich kaum mehr atmen konnte“, soll ein Betroffener mitgeteilt haben. Auch Drohungen, ins Kühlhaus mit  minus 20 Grad Celsius eingesperrt zu werden, habe es gegeben. Das berichtet offenbar ein ausgeschiedener Manager. Aldi-Süd ermittelt nun zu den konkreten Vorgängen; es habe sich im Kern als wahr herausgestellt. 

Zu den ergriffenen Sanktionen bleibt die Presse noch eigentümlich vage, was vermutlich daran liegt, dass Sanktionen (noch) in Bearbeitung sind.

Arbeitsrechtliche Einschätzung

Mit einiger Sicherheit können die bei den Misshandlungen anwesenden verantwortlichen Führungskräfte und die Aggressoren selbst außerordentlich, fristlos entlassen werden. Beide haben sich strafbar gemacht: der Aggressor ggf. wegen Straftaten, wie Freiheitsberaubung, u.U. auch Körperverletzung und Vorgesetzte wegen ebendieser Straftaten ausgeführt durch Unterlassen (§ 13 StGB), zu der sie als Vorgesetzte verpflichtet waren. Spannend könnte hier allenfalls die Frage werden, wie es mit der Zweiwochenfrist nach § 626 Abs. 2 BGB für den Ausspruch außerordentlicher Kündigungen steht. Die Frist begann mit dem Zeitpunkt, an dem ein Kündigungsberechtigter Kenntnis von den Vorfällen erlangt hat. 

Interessanter sind die Fälle der Zuschauer, derjenigen, die nicht geholfen haben, vielleicht, weil sie selbst Angst vor Kündigung hatten. Wünschenswert wäre eine klare Positionierung des Unternehmens auch diesen Personen gegenüber, die sich letztlich mitschuldig gemacht haben. Arbeitsgerichtlich werden Kündigungen jedoch schwer zu rechtfertigen sein, wenn ein Mitarbeiter plausible, objektiv gerechtfertigte Angst vor Repressalien als Grund für sein Nichtstun angibt. Hier kommt es letztlich darauf an, was genau passiert ist.