Teilzeitarbeit ist für viele Arbeitnehmer ein wichtiges Thema. Die einen wollen gern weniger, also in Teilzeit arbeiten. Andere arbeiten Teilzeit und würden ihre Arbeitszeit lieber gern aufstocken. Erfahren Sie hier mehr zum Thema Teilzeitarbeit:

Was ist Teilzeitarbeit?

Als Teilzeitarbeit bezeichnet man Arbeitszeitmodelle, bei denen ein Arbeitnehmer regelmäßig kürzer arbeitet als auf einer Vollzeitstelle. Beispiel: Im Betrieb gilt als regelmäßige wöchentliche Arbeitszeit die 40-Stunden-Woche. Ein Arbeitnehmer oder eine Arbeitnehmerin, der/die nur 30 Stunden arbeitet, arbeitet in Teilzeit. Die wesentlichen Rahmenbedingungen der Teilzeit sind im sogenannten Teilzeit- und Befristungsgesetz (TzBfG) geregelt.

Teilzeit nach dem Teilzeit- und Befristungsgesetz?

Teilzeitarbeit kann zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber vereinbart werden. Das kann sowohl bei der Einstellung als auch während des Arbeitsverhältnisses, auf Dauer oder auch nur für eine bestimmte Zeit vereinbart werden. Hier sind Arbeitnehmer jedoch stets vom guten Willen ihres Arbeitgebers abhängig.

Unter bestimmten Umständen haben Arbeitnehmer einen Anspruch darauf, auf Wunsch in Teilzeit arbeiten zu dürfen. § 8 TzBfG sieht hierfür vor:

“(1) Ein Arbeitnehmer, dessen Arbeitsverhältnis länger als sechs Monate bestanden hat, kann verlangen, dass seine vertraglich vereinbarte Arbeitszeit verringert wird.”

Beschäftigt das Unternehmen regelmäßig mehr als 15 Arbeitnehmer und ist der Arbeitnehmer also bereits mehr als 6 Monate beschäftigt, kann er die Verringerung seiner Arbeitszeit, also Teilzeitarbeit, verlangen. Mindestens 3 Monate vor dem gewünschten Start der Teilzeitarbeit richtet er einen Teilzeitantrag an den Arbeitgeber. Aus Beweisgründen sollte dies schriftlich und mit Eingangsnachweis erfolgen. Im Antrag muss stehen, auf wie viele Wochenstunden der Arbeitnehmer seine Arbeitszeit reduzieren will und, wie sich diese Wochenstunden auf die Arbeitswoche verteilen sollen.

Hat der Arbeitnehmer einen Antrag eingereicht, muss der Arbeitgeber mit ihm über den Antrag zu sprechen mit dem Ziel einer Einigung. Der Arbeitgeber hat der Teilzeitarbeit zuzustimmen, wenn betriebliche Gründe nicht entgegen stehen. Als betriebliche Gründe führt das Gesetz aus, dass durch die Teilzeitarbeit die betriebliche Organisation oder die Sicherheit im Betrieb nicht beeinflusst werden dürfen. Was das genau bedeutet, haben die Gerichte zwischenzeitlich in vielen Einzelfallentscheidungen konkretisiert. Allgemein lässt sich festhalten, dass die Gerichte Wert auf nachvollziehbare, rationale und plausible Gründe legt und beispielsweise den Einwand nicht duldet, das Konzept sehe keine Teilzeitarbeitsplätze vor. Der Arbeitgeber hat die Pflicht, “alle zumutbaren Anstrengungen zu unternehmen”, um Teilzeitarbeit möglich zu machen. Das Bundesarbeitsgericht prüft in drei Stufen: (1) Gibt es ein nachvollziehberes Organisationskonzept des Arbeitgebers, das (2) dem Teilzeitverlangen entgegen steht. (3) Würde die Teilzeitarbeit die Interessen des Arbeitgebers unzumutbar beeinträchtigen oder ist die Teilzeitarbeit dennoch hinzunehmen?

Was tun, wenn der Arbeitgeber die Teilzeitarbeit nach TzBfG ablehnt?

Will er die Teilzeitwünsche des Arbeitnehmers nicht erfüllen, muss der Arbeitgeber mindestens einen Monat vor dem gewünschten Beginn schriftlich den Wunsch ablehnen. Tut er dies nicht, ist der Teilzeitwunsch genehmigt. Der Arbeitgeber kann die so automatisch festgelegte Teilzeitarbeiter nur unter höheren Anforderungen und mit einer Ankündigungsfrist von einem Monat rückgängig machen (§ 8 Abs. 5 TzBfG).

Da Arbeitnehmer auch nach einem (rechtmäßig) erfolglosen Teilzeitantrag erst nach 2 Jahren erneut einen Antrag stellen können, ist es sinnvoll, zunächst einmal ohne Antrag informell eine Vereinbarung mit dem Arbeitgeber zu erzielen. Wenn dies nicht gelingt, ist es vor einem formellen Teilzeitantrag sehr empfehlenswert, vorher rechtliche Beratung einzuholen. Denn der eine Antrag muss passen, wenn Sie ihre Rechte tatsächlich durchsetzen wollen.

Teilzeit in der Elternzeit

Einen wesentlich stärkeren Anspruch auf Teilzeitarbeit haben Eltern, die sich gerade in Elternzeit befinden nach § 15 Abs. 6 Bundeselterngeld- und Elternzeitgesetz (BEEG). Dort heißt es:

“(6) Der Arbeitnehmer oder die Arbeitnehmerin kann gegenüber dem Arbeitgeber, soweit eine Einigung nach Absatz 5 nicht möglich ist, unter den Voraussetzungen des Absatzes 7 während der Gesamtdauer der Elternzeit zweimal eine Verringerung seiner oder ihrer Arbeitszeit beanspruchen.”

 Der Anspruch besteht für Männer wie Fragen gleichermaßen, soweit sie aktuell in Elternzeit sind. Er hat folgende Voraussetzungen:

  • Das Arbeitsverhältnis besteht bereits mehr als 6 Monate.
  • Der Arbeitgeber beschäftigt regelmäßig mehr als 15 Beschäftigte.
  • Dem Anspruch stehen keine dringenden, betrieblichen Gründe entgegen.
  • die beantragte Arbeitszeit liegt zwischen 15 und 30 Stunden und soll für mindestens 2 Monate so geleistet werden.

Arbeitnehmer haben einen Wunsch auf Teilzeitarbeit in der Elternzeit mindestens 7 Wochen vor Beginn der gewünschten Teilzeit schriftlich mitzuteilen. Arbeitgeber können den Antrag nur bei dringenden betrieblichen Gründen ablehnen, was im Gegensatz zum Teilzeitantrag nach TzBfG wesentlich schwieriger ist. Will der Arbeitgeber einen Antrag ablehnen, hat der dies innerhalb von 4 Wochen seit dem Antrag zu tun. Dann oder, wenn der Arbeitgeber sich gar nicht äußert muss der Arbeitnehmer ggf. seinen Anspruch bei Gericht durchsetzen.

Übrigens: Der Teilzeitanspruch gilt auch für Männer. Da diese aber meistens beim Antrag auf Teilzeit während der Elternzeit noch nicht in Teilzeit sind, müssen sie gleichzeitig einen Antrag auf Elternzeit stellen. Wenn Sie hier Gegenwind Ihres Arbeitgebers erwarten, sollten Sie den Antrag frühestens 8 Wochen vor der gewünschten Elternteilzeit stellen, genauer in der 8ten Woche vor dem Beginn. So haben Sie den Antrag rechtzeitig gestellt und gleichzeitig den Kündigungsschutz für Eltern gesichert. Arbeitgeber können so nicht auf Ihren Teilzeitantrag hin kündigen.

Ich bin Fremdgeschäftsführer. Habe ich einen Anspruch auf Teilzeitarbeit?

Sowohl das TzBfG als auch das BEEG sehen Teilzeitansprüche nur für Arbeitnehmer vor, was Gesellschaftsorgane nach deutschem Recht nicht sind. Allerdings ist die Rechtsprechung hier relativ stark in der Entwicklung. Der EuGH hat beispielsweise mittlerweile einer Fremdgeschäftsführerin Mutterschaftsurlaub zugebilligt, obwohl auch der eigentlich nur für Arbeitnehmer vorgesehen ist (11.11.2010, C-232/09, Danosa ./. LKB Lizings SIA). Es ist zu erwarten, dass zumindest die Elternschutzrechte weiter zu Gunsten von Fremdgeschäftsführerinnen ausgeweitet werden. Bevor ein entsprechender Anspruch geltend gemacht wird, sollte man sich jedoch gut beraten lassen, denn die Rechtslage ist nach wie vor eher unklar. 

Darf ich als Teilzeitmitarbeiter schlechter behandelt werden?

Teilzeitarbeit gleich Abstellgleis? Teilzeitmitarbeiter dürfen nicht schlechter behandelt werden, als Vollzeitmitarbeiter. Dieses Diskriminierungsverbot sieht § 4 TzBfG vor:

“(1) Ein teilzeitbeschäftigter Arbeitnehmer darf wegen der Teilzeitarbeit nicht schlechter behandelt werden als ein vergleichbarer vollzeitbeschäftigter Arbeitnehmer, es sei denn, dass sachliche Gründe eine unterschiedliche Behandlung rechtfertigen. Einem teilzeitbeschäftigten Arbeitnehmer ist Arbeitsentgelt oder eine andere teilbare geldwerte Leistung mindestens in dem Umfang zu gewähren, der dem Anteil seiner Arbeitszeit an der Arbeitszeit eines vergleichbaren vollzeitbeschäftigten Arbeitnehmers entspricht.”

Dies bedeutet vor allem, dass die Bezahlung nicht schlechter sein darf (auf die Stunden gerechnet), Teilzeitmitarbeiter nicht von Sonderleistungen ausgenommen werden dürfen (z.B. Weihnachtsgeld) und auch bei Fortbildung nicht nur wegen der Teilzeitarbeit ausgenommen werden. Im Einzelfall ist eine Ungleichbehandlung zu prüfen und ggf. die Leistung einzuklagen.

Ich habe einen Teilzeitjob und will gern mehr arbeiten? Wie geht das?

Teilen Sie Ihrem Arbeitgeber zunächst mit, dass Sie gern mehr arbeiten also ihre Arbeitszeit erhöhen wollen. Er ist dann verpflichtet, Sie über geeignete Stellen zu informieren. Darauf bewerben Sie sich. Der Arbeitgeber hat Sie grundsätzlich bevorzugt auszuwählen, wie § 9 TzBfG vorsieht:

“Der Arbeitgeber hat einen teilzeitbeschäftigten Arbeitnehmer, der ihm den Wunsch nach einer Verlängerung seiner vertraglich vereinbarten Arbeitszeit angezeigt hat, bei der Besetzung eines entsprechenden freien Arbeitsplatzes bei gleicher Eignung bevorzugt zu berücksichtigen, es sei denn, dass dringende betriebliche Gründe oder Arbeitszeitwünsche anderer teilzeitbeschäftigter Arbeitnehmer entgegenstehen.”

Werden Sie auf die Stelle nicht vorrangig eingestellt, können Sie die Stellenbesetzung ggf. selbst einklagen. Zudem kann der Betriebsrat, falls es einen gibt, der Stellenbesetzung mit einem anderen Bewerber widersprechen, vgl. § 99 BetrVG.

Kati Windisch, M.A. zum Thema Teilzeitarbeit

Rechtsanwältin für Arbeitsrecht
Kati Windisch, M.A.
Tel: +49 69 5050 474 16
Mail: windisch@verhandel-bar.eu

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