Arbeitnehmer haben nach § 1 BUrlG (Bundesurlaubsgesetz) Anspruch auf bezahlten Urlaub, d.h. Freistellung von der Arbeit bei fortgezahlter Vergütung. Hier finden Sie grundlegende Informationen:

Wie viele Tage Erholung stehen mir zu?

Der gesetzliche Mindesturlaub ergibt sich aus § 1 BUrlG und beträgt 24 Tage im Jahr, wobei dies auf 6 Werktage berechnet ist. Arbeiten ein Arbeitnehmer regelmäßig 5 Tage wöchentlich, ergibt sich ein Anspruch von 20 Tagen. Häufig sehen Arbeits- und Tarifverträge wesentlich mehr Tage vor. Ebenso erhalten besondere Personengruppen, zum Beispiel Schwerbehinderte zusätzliche Urlaubstage (5 zusätzliche Tage bei einer 5 Tage Woche für Schwerbehinderte, vgl. § 125 SGB IX

Wartezeit

Das Gesetz sieht für die Inanspruchnahme eine Wartezeit vor. Erst nach 6 Monaten Beschäftigung können Sie nach § 4 BUrlG den vollen Urlaub verlangen. Bis dahin erhalten Sie Tage, den Sie anteilig bereits erarbeitet haben.

Wer bestimmt, wann ich Urlaub nehme?

Der konkrete Zeitpunkt ist zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber zu vereinbaren,wie § 17 BUrlG festlegt. Keinesfalls dürfen Arbeitnehmer sich den Urlaub eigenmächtig genehmigen und einfach der Arbeit fernbleiben! Allerdings hat der Arbeitgeber bei der Vergabe auch die Interessen des Arbeitnehmers zu berücksichtigen. Verweigert er ohne nachvollziehbaren Grund, zu einem bestimmten Termin Urlaub zu gewähren, können Arbeitnehmer diesen gegebenenfalls bei Gericht einklagen, in eiligen Fällen auch per einstweiliger Verfügung.

Einmal gewährt darf Urlaub seitens des Arbeitgebers in aller Regel nicht widerrufen werden, es sei denn, der Arbeitnehmer ist einverstanden. Widerruft der Arbeitgeber dennoch die Genehmigung, sollten Arbeitnehmer, die nicht einverstanden, sich rechtlich beraten. Davon, ohne rechtliche Prüfung trotzdem in den Urlaub zu fahren, ist abzuraten. Aus dem Urlaub zurückkommen müssen Sie hingegen nicht.

Urlaub verfällt zum Jahresende: Übertragung von Urlaub nicht automatisch

Das Bundesurlaubsgesetz erwartet, dass Arbeitnehmer ihren Urlaub grundsätzlich im Kalenderjahr auch nehmen. Sie müssen also in aller Regel einen Antrag für eine Zeit bis zum 31.12. stellen, um ihn nicht zu verlieren! Eine automatische Übertragung über das Jahresende hinaus ist eher die Ausnahme als die Regel. Beantragen Sie Ihren Urlaub nicht rechtzeitig, verfällt der Anspruch zum 31.12. des Jahres, es sei denn in Arbeits- oder Tarifvertrag ist eine automatische Übertragung vorgesehen ist. Eine solche Übertragung von Erholungsurlaub ist gesetzlich bis maximal zum 31.3. des Folgejahres zulässig, damit Arbeitnehmer ihn nicht zu oft und zu lange verschieben und so zeitnah den Erholungseffekt nutzen. Haben Sie einen Antrag gestellt, der Arbeitgeber die Gewährung jedoch abgelehnt, überträgt sich der Urlaub ebenfalls auf das Folgejahr und muss bis spätestens 31.3. genommen werden. Wichtig ist es, auch in der Zeit bis zum 31.3. wieder einen Urlaubsantrag zu stellen. Wird der Urlaub erneut grundlos nicht gewährt, haben Sie u.U. einen Anspruch auf ersatzweise Gewährung auch nach dem 31.3. 

Urlaub und Krankheit

Was passiert, wenn Sie während Ihrer Ferien erkranken? Teilen Sie dies möglichst umgehend Ihrem Arbeitgeber so mit, wie Sie dies auch sonst bei Krankheit tun müssen. Sie erhalten dann Ersatzurlaub und nach den Regeln des Entgeltfortzahlungsgesetzes ggf. auch Entgeltfortzahlung für die Krankheitszeit. Wann Sie den Ersatzurlaub nehmen, müssen Sie wieder mit Ihrem Arbeitgeber abstimmen. Keinesfalls dürfen Sie den Ersatzurlaub eigenmächtig an die Krankheit anhängen.

Können Sie wegen Dauerkrankheit Urlaub nicht nehmen, dürfen Sie sich den aufheben, bis Sie wieder gesund sind. Gegebenenfalls auch über Jahre. So summieren sich lange Ferien oder Ansprüche, die bei einem Ausscheiden aus dem Arbeitsverhältnis, z.B. wegen der Dauerkrankheit, finanziell abzugelten sind.

Urlaubsabgeltung

Wenn Sie zum Zeitpunkt der Beendigung Ihres Arbeitsverhältnisses noch Anspruch auf Urlaub haben, kann dieser Urlaubsanspruch nicht mehr durch bezahlte Freistellung von der Arbeit, d.h. in Natur erfüllt werden, da das Arbeitsverhältnis bereits beendet ist. Sie arbeiten ja nicht mehr. Daher haben Sie Anspruch auf finanzielle Abgeltung des Urlaubsanspruchs, § 7 BUrlG. Hier kommen manchmal erstaunlich hohe Zahlbeträge zustande, die Sie bei einem Aufhebungsvertrag nicht vergessen sollten.

 Kati Windisch, M.A._Profilbild

 

Rechtsanwältin für Arbeitsrecht
Kati Windisch, M.A.
Tel: +49 69 505047416
Mail: windisch@verhandel-bar.eu 

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